Hermann Markau – Kreta: Erinnerungen an eine Reise

Dieses Büchlein ist alles andere als ein Nachschlagewerk für Reisewillige, die sich nach Kreta aufmachen wollen. Das will es auch nicht sein und kann es nicht. Denn dafür fehlt es dem Autor an fundiertem Wissen über diese größte Insel Griechenlands, für dessen Aneignung sicherlich Voraussetzung gewesen wäre, mehr Reisen als diese eine dorthin unternommen zu haben.
Markau jedoch war nur einmal in seinem bisherigen Leben auf Kreta und hatte nie den Ehrgeiz und die Absicht, dieses Wissen zu erlangen. Eine Folge allerdings hatte diese Reise auf jeden Fall: Er erlag dem einzigartigen Charme Kretas. Wenn man denn dem Versuch, diese eine Reise zu beschreiben, eine Absicht unterstellen wollte, dann wäre es u.a. die, dem Leser diesen Charme nahezubringen, ihn teilhaben zu lassen an der ganz besonderen Atmo-sphäre, die der Autor dort erlebt hat, dieser außergewöhnlichen Mischung aus liebenswürdiger Direktheit und überbordender Gastfreundschaft seiner Bewohner.
Diese Reise fand vor 39 Jahren statt. Das aber, was man dort heute als Reisender manchmal erlebt – vor allem in den Hauptorten der Insel – ist mit dem, was Markau in seinem Band beschreibt, kaum mehr zu vergleichen, denn die Touristik auf Kreta hat sich in beängstigender Weise dem weltweiten Trend zu anonymisiertem Bettenburgenurlaub genähert.
Der Pauschalreisende tut gut daran, sich der Kasernierung durch die global agierenden Hotelgesellschaften zumindest für einige Tage zu entziehen, um sich in den ländlichen Gebieten im Inneren der Insel dem Flair zu nähern, das Markau versucht, dem Leser in seinem Buch nahezubringen. Denn in den Dörfern und kleinen Städten wird man die beschriebene Gastfreundschaft der kretischen Bevölkerung, ihre Offenheit dem Fremden gegenüber, die man in Deutschland mittlerweile mancherorts vermissen mag, immer noch finden. Möglicherweise aber erst dann, wenn man diese ländlichen Besuche nicht im Stile einer pauschal geführten Bustour mit Reiseleitung unternimmt – mit abendlicher Rückkehr in den heimatlichen Hafen der Hotelunterkunft, sondern wenn man bereit ist, auch einige Nächte außerhalb des Hotels zu verbringen.

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